Allheilmittel Dampfsperre?
… An einer Wärmebrücke stört einerseits, daß an dieser Stelle viel Wärme nach außen verloren geht, andererseits, daß wegen der geringen Wärmedämmung die innere Oberflächentemperatur des Bauteils sehr niedrig liegt.
An den Fenstern versucht man dies zu umgehen, indem man die innere Luftgrenzschicht mit Warmluft wegbläßt, um sie beschlagsfrei zu halten. Daß diese Luftgrenzschicht dann keinen Beitrag mehr zur Wärmedämmung leistet, versteht sich.
Bei nicht transparenten Bauteilen werden derartige Schwachstellen durch eine innenliegende Wärmedämmung mit absoluter Dampfsperre überdeckt. In der Regel müssen innen angebrachte Dämmschichten eine Dampfsperre haben.
Dadurch bleiben die dahinter liegenden Bauteilschichten sicher vor Feuchteschäden geschützt und die Oberfläche ist überall wärmer als die Taupunkt-Temperatur. Wärmere Wandflächen machen Schwimmhallen im übrigen obendrein sehr behaglich.
Kommen wir zum 2. Punkt, der für den Wandaufbau von Bedeutung ist: nämlich der Feuchteschutz.
Luft setzt sich bekanntlich aus verschiedenen Gasen zusammen, beispielsweise Stickstoff, Sauerstoff, Kohlendioxid und sie enthält auch Wasserdampf. Der Wasserdampf ist dabei von besonderem Interesse. In der kalten Jahreszeit enthält die Außenluft weniger Wasserdampf als die Innenluft, der Wasserdampfteildruck ist damit in der Außenluft geringer.
Der Wasserdampf versucht also, durch die Gebäudehülle nach außen zu dringen. Dies gelingt jedoch nur bedingt, weil die Baustoffe dieser Diffusion ihren Diffusionswiderstand entgegensetzen. Dennoch wandern übers Jahr hinweg einige Liter Wasserdampf durch die Wand nach außen.
Dies schadet auch solange nichts, solange der Wasserdampf nur hindurchdiffundiert. Zu Schäden kommt es dann, wenn irgendeine Stelle so kalt ist, daß er kondensiert und als flüssiges Kondenswasser im Bauteil hängen bleibt.
Das geschieht beispielsweise bei einer Leichtziegel-Wand mit Innen- und Außenputz in den äußeren Kammern des Ziegelsteins und direkt an der Grenzschicht zum Außenputz. Die Gefahr von Putzabplatzungen durch Frost ist daher groß.
Als Allheilmittel gegen alle Probleme bezüglich der Kondensatbildung wird oft die Dampfsperre angesehen. Eine Dampfsperre in der Wand ist oft eine sichere Sache, doch kann sie auch Feuchteprobleme bewirken, wenn sie falsch angebracht wird.
Die Dampfsperre muß so weit nach innen gelegt werden, wo es so warm ist, daß der Taupunkt der Innenluft nicht unterschritten wird. Der Taupunkt der Innenluft ist entscheidend, ob auf der Innenseite des Bauteils Kondensat entsteht.
Als Faustregel gilt: je dicker die Außendämmung ist, desto geringer kann die Innendämmung mit der Dampfsperre dimensioniert werden. Für die Oberflächentemperatur ist jedoch unerheblich, ob die Wärmedämmung außen oder innen liegt.
Wichtig dabei ist nur, daß die Dampfsperre, wie beim ISO PLUS-SYSTEM, ganz auf der Raumseite liegt.
Der unzweifelhafte Nachweis, ob eine Wandkonstruktion einer Dampfsperre bedarf, wird anhand einer bauphysikalischen Berechnung nach DIN 4108 erstellt. Darin sind die Dicken und Stoffwerte der einzelnen nacheinander verwendeten Baustoffe berücksichtigt.
Das Ergebnis zeigt genau, ob und an welcher Bauteilschicht wieviel Kondensat entsteht.
Pauschalen Aussagen und sogenannte Faustregeln, daß die eine oder andere Konstruktion “problemlos” sei, ist generell mit etwas Misstrauen zu begegnen. …