Die russische Kultur des Schwitzens

Früher wurden die Badehäuser von einem Bantschschik („Banjameister“) betrieben, den man fürs Einheizen bezahlte. Zwischen den Gängen wurde reichlich gegessen und getrunken. Die Russen sind übrigens – wie die Finnen – davon überzeugt, dass ihre Art des Schwitzens jeweils die gesündere sei. Wer Recht hat, kann nicht eindeutig geklärt werden.

Birkenzweigbündel gehören dazu

Das russische Dampfbad unterscheidet sich von der finnischen Sauna dadurch, dass im Schwitzraum eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Die Temperaturen liegen zwischen 70 und 80 °C. Traditionell benutzt man Öfen mit glühenden Steinen, die mit reichlich Wasser begossen werden, welches sofort verdampft und die Luft bis zur Nebelbildung anfeuchtet.

Daher erfordert die russische Banja eine gute bis sehr gute Kondition. Oft werden dem Aufgusswasser Kräuteressenzen beigegeben. Auch Einreibungen mit Salz und Honig sind üblich. Nach alter russischer Tradition klopft man sich danach vorsichtig mit Weniks ab – in warmes Wasser getauchte, getrocknete Birkenzweigbündel.

Die Wenikszeremonie war schon für die russischen Zaren ein genussvolles Ritual der Reinigung und Verjüngung. Durch das Abschlagen wird die schweißtreibende Wirkung des Dampfbades erheblich intensiviert, der Kreislauf angeregt und die Durchblutung der Haut verbessert. Birke wirkt entzündungshemmend, reinigend und soll eine optimistische Stimmung hervorrufen.

Zwischen den Weniksbehandlungen kühlen sich die Badenden immer wieder draußen ab. Um eine Banja zu erleben, muss man aber nicht nach Russland reisen. Eine russisch-karelische Wellnesslandschaft bieten beispielsweise die Badegärten Eibenstock im sächsischen Erzgebirge. Dort herrschen Magie und Mystik vor: „Bei uns ist es ein bisschen finster – russisch eben“, sagt augenzwinkernd Geschäftsführer Hendrik Pötter.

Dieser Artikel ist in Ausgabe 41 des pool Magazins erschienen.

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