Grundwissen Schwimmbadfilter
… Daneben gibt es sogenannte Mehrschicht-Filterfüllungen. Nach der Definition im öffentlichen Bäderbereich steht danach die untere Filterschicht aus Quarzsand und die obere Filterschicht aus Anthrazit, beispielsweise mit der Zusatzbezeichnung „N“ für Steinkohle und „H“ für Braunkohle.
Im Gegensatz zum Steinkohle-Anthrazit hat Braunkohle-Anthrazit aufgrund der größeren Materialoberfläche von rund 350 qm/g eine gewisse chemisch-katalytische Wirkung, die bedingt auch gebundenes Chlor abbaut.
Der Nachteil ist, dass sich die Materialoberfläche mit der Zeit nicht nur zusetzen kann, insbesondere bei nicht fachgerechter Filterspülung, sondern infolgedessen auch eine latente Verkeimungsgefahr besteht.
Noch wesentlich brisanter ist es beim Einsatz von Aktivkornkohle mit einer Materialoberfläche von sage und schreibe 900 bis 1.200 qm/g. Mit solch einer Filtermaterialschicht kann sich der Filter sehr schnell zum Bioreaktor verwandeln, ohne dass der Schwimmbadbesitzer dieses bemerkt, da er nicht wie im öffentlichen Bäderbereich bakteriologische Beckenwasserprüfungen durchführt.
Beim Einsatz von Kohle-Filtermaterialien ist außerdem die Wassergeschwindigkeit beim Filterspülen genau zu beachten. Über circa 45 m/h Wasserspülgeschwindigkeit verflüchtigen sich nämlich Kohleprodukte aufgrund ihres geringen spezifischen Gewichts aus dem Filter.
Neben den bereits genannten Materialien gibt es auch vernetzte Silikate sowie Quarzsand-Veredelungen, beispielsweise mit Silber (Metall), wobei man Silber bisweilen auch als Desinfektionsmittel einsetzt. Auf beides wird jedoch ganz bewusst nicht näher eingegangen, denn egal wie man argumentiert, der Dialog bleibt angesichts von ideologischem Sinn und Unsinn stets kontrovers.
Die beschriebene Reinigung des Beckenwassers auf rein physikalischem Weg hat entsprechend der folgenden Tabelle bestimmte Grenzen.
Entfernungsmöglichkeiten von Schwimmbeckenwasserbelastungsstoffen
| Wasserbelastung | Belastungsstoffe | Größe (mm) | Entfernung |
|---|---|---|---|
| Schwimmstoffe | Haare, Fasern | größer als 1 | Grobsieb |
| Große Trübstoffe | Seifenreste, Hautschuppen o.ä. | 1 | Filterung |
| Kolloidale Stoffe | Kosmetika, Speichel | größer als 0,0001 | Flockung |
| Organische Stoffe | Mikroorganismen (Viren,Keime) | größer als 0,00001 | Oxidation-Desinfektion |
| Gelöste Stoffe | Harnstoff, Chloramine | gelöst | Kohleadsorption, Ozon, Frischwasserzusatz (Reduzierung) |
Inwieweit eine zusätzliche Flockung im privaten Schwimmbadbereich allerdings sinnvoll ist, richtet sich letztlich auch nach den Ansprüchen des Schwimmbadbetreibers an seine Beckenwasserqualität.
Die Flockung ist – im Gegensatz zum öffentlichen Bäderbereich, wo sie zwingend verlangt wird – im Privatbereich derzeit die Ausnahme, was sich jedoch durchaus irgendwann ändern kann.
Wenn man jedoch eine Flockung zur Entfernung von kolloidalen Wasserinhaltsstoffen einsetzt, muss vorher zweifelsfrei sichergestellt sein, dass der Filter hierfür geeignet ist, das heißt, eine entsprechende Filtermaterialschichthöhe hat. Bei Minifiltern schlägt die Flockungswirkung nämlich im doppelten Wortsinn durch, indem die Ausflockung nicht im Filter stattfindet, sondern im Beckenwasser in Form von Eintrübungen. …