Orientalisches Schwitzbad

Wichtiges Element ist das heiße und feuchte, aber ausgewogene Raumklima, das durch hypokaustische Wärme, also durch Beheizung über den Stein an Wand und Boden, erzielt wird.

Die Architektur der ersten Hamams war maßgebend für die darauf folgenden Jahrhunderte: Nach einer genau vorgegebenen Raumabfolge betritt man den eigentlichen, achteckigen Waschraum. Das Oktogon – als polygonale Nachempfindung des vollendeten Kreises – ist durch eine Hauptkuppel bedeckt und erschließt kleinere, symmetrisch angeordnete Nischen, in die man sich zur Intimreinigung zurückziehen kann.

Im Gegensatz zur Sauna ist der Hamam kein Nacktbereich: Wie Alpaget betont, binden sich die Besucher Tücher um den Körper. Auch bei den Waschungen und Massagen wird der Intimbereich grundsätzlich mit Leinen bedeckt. Die klassischen Anlagen sind so konzipiert, dass Gläubige die islamischen Regeln der Hygiene erfüllen.

Ursprünglich lagen die Bäder immer in unmittelbarer Nähe der Moscheen, damit die Menschen die vor dem Gebet vorgeschriebene Reinigung vornehmen konnten.

Der Kult um das heiße Bad erlebt zurzeit eine kleine Renaissance. Auch einige internationale Hotels beleben diese Lebensart neu für ihr reisendes Publikum. “Die Zahl wellnessorientierter Bäder und Wellness-Hotels, die das Hamam-Bad als Ergänzung zu Sauna und Thermalbad anbieten, steigt auch in Deutschland weiter an”, informiert Martina Frenzel – Fachbereichsleiterin Bäder und Thermen beim Deutschen Wellness-Verband.

Der Hamam liege im Trend, zumal die Investition in ein türkisches Bad im Verhältnis zu vergleichbaren Einrichtungen wie beispielsweise der Sauna nicht höher ausfalle.

Viele Deutsche sind vor allem wegen der hauptpflegenden Wirkung und dem Peeling-Effekt vom Hamam begeistert”, sagt die Expertin. Reisende zum Beispiel, die das Hamam-Bad im Türkei-Urlaub kennen gelernt hätten, freuten sich, es auch hierzulande vorzufinden, unterstreicht Frenzel. Bei anderen Gästen habe sie eine “anfängliche Scheu” festgestellt, die in der Regel aber schnell überwunden sei.

Die Hersteller orientieren sich stark an den Bedürfnissen der Besucher.” Zahlreiche Hamams seien “mit viel Liebe zum Detail gestaltet” und erzeugten beim Gast eine “Assoziation zu den “Märchen aus 1001 Nacht”.

Nach Aussage der Wellness-Expertin Frenzel wird der Boom so schnell kein Ende nehmen. Traditionelle türkische Bäder gibt es unter anderem in den Städten Aachen (“Carolus Thermen”), Berlin (“Sultan”, “Inter-Conti”), Bergisch Gladbach (“Mediterrana”), Bielefeld (“Is-h-a-ra”), Frankenthal (“Hamam-Massage-Praxis”) und München (“Mathilden”).

Kasim Alpaget arbeitet selbstständig und pendelt zwischen zwei Einrichtungen, dem “Atlantis” in Obertshausen und dem “Nass” in Arnsberg. Seine Gäste übrigens hätten keine Vorbehalte im Hinblick auf die soziale Stellung ihres Hamam-Meisters – im Gegenteil.

Der Türke: “Die Leute schätzen mich, sind geradezu dankbar. Bei der Behandlung schalten sie ab, lassen sich fallen, entspannen und genießen.”

Dieser Artikel ist in Ausgabe 34 des pool Magazins erschienen.

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