Schwitzen wie die Römer
… Außerdem kann in strahlungsbeheizten Räumen bei gleichem Behaglichkeitsempfinden die Raumtemperatur bis zu 3 Grad Celsius unter konvektionsbeheizten liegen.
Bekanntlich führen Keramik- oder Natursteinbeläge bei konventionellen auf Konvektion basierenden Heizungssystemen aufgrund von Frierzonen oder Hitzeinseln zwangsläufig zu einem deutlichen thermischen Komfortverlust.
Die Niedertemperatur-Flächenheizung mit Heizkörper “Wand und Fußboden” eröffnet hingegen die Möglichkeit, mit den genannten Werkstoffen dekorative Akzente innerhalb ästhetischer Raumgestaltungen zu setzen.
Daher bietet sich der Einbau der “sanften” Heizungstechnologie auch im Thermenbereich besonders an. Wie die vorstehende Schilderung dokumentiert, sind die Erkenntnisse der Strahlungsheizung bereits uraltes empirisches Wissen.
Medizinische zeitgeschichtliche Rückblicke verdeutlichen sehr eindrucksvoll den bemerkenswert hohen Stand der Strahlungswärme, Heilkunde in orientalischen und frühchristlichen Kulturen.
So bietet eine gleichmäßige langwellige Strahlungswärme mit idealem horizontalen und vertikalen Raumtemperaturprofil gegenüber einer Konvektionswärme, die den Körper indirekt über die Luft erwärmt, nicht nur eine wesentlich angenehmere physiologische Behaglichkeit, sondern wirkt sich auch noch physisch und psychosomatisch entspannend aus.
Das Wirkungsspektrum der Thermen-Strahlungswärme unterteilt sich in milde und intensive Beheizung. Hierbei ist wichtig, dass im Wärmestrahlungsraum der gesamte Körper gleichmäßig durch die Wärmeabgabe der raumumschließenden Keramikflächen auf das gewünschte Temperaturniveau erwärmt wird.
Die Wände, Bänke, Sitz- und Liegeflächen und der Boden müssen daher so beheizt sein, dass die Gewebeschichten und Organe mittels Wärmestrahlung als sogenannte Strahlungsquante aus dem Infrarot-Wellenbereich intensiv erwärmt werden.
Hierbei liegt die Lufttemperatur bis zu 15 Grad Celsius unter der Temperatur auf den Strahlungsoberflächen, so dass keine Erschöpfungserscheinungen auftreten, sondern im Gegenteil eine Stimulierung des vegetativen Nervensystems stattfindet.
Dieses resultiert daraus, dass die kurzwelligen elektromagnetischen Wärmestrahlen bis in die tieferen Hautschichten dringen und dort gesundheitsfördernd wirken. Langwellige Wärmestrahlung sowie Konvektionswärme hat hingegen nur eine geringe Eindringtiefe oder wird bereits auf der Oberhaut durch Schweißbildung absorbiert.
Dicht unter der Hautoberfläche befindliche Kälte- und Wärmerezeptoren regulieren nämlich die Schweißbildung oder die Verdunstungskühlung.
Zwischen Körper und Umgebung stellt sich ein Gleichgewichtszustand ein, weil Wärmeabgabe und Wärmeaufnahme des Körpers gleich groß sind. Die Lufttemperatur liegt niedriger als die Oberflächentemperatur der Wände, der Körper wird aufgewärmt, ohne zu schwitzen.
Hierdurch werden die Blutgefäße geöffnet und die Durchblutung deutlich intensiviert. Bessere Durchblutung fördert die Regeneration des Körpers, besonders der kälteren Körperteile, wie beispielsweise der Gelenke.
Der Einfluss der Strahlungswärme auf das vegetative Nervensystem führt entweder zur Milderung oder gar zur Heilung vieler Regulationsstörungen. Dieser Gesundheitseffekt beruht nicht zuletzt auch darauf, dass die “innere Weisheit” der Selbstheilungskräfte des Körpers auf natürliche Weise stimuliert oder reaktiviert wird.
Daher ist die Aufenthaltsdauer im sogenannten römischen Tecaldarium oder Thermarium bei diesem milden Temperaturniveau nahezu unbegrenzt. …