Reinigungsritual für Körper und Seele
… Die runde Hütte auf dem Gelände vom „Freizeitpark und Saunaparadies monte mare“ in Rheinbach bei Bonn ist knapp einen Meter fünfzig hoch und hat etwa fünf Meter Durchmesser. In der Mitte ist eine Grube ausgehoben, welche später die glühenden Steine aufnimmt. Draußen vor der Hütte, genau gegenüber dem Eingang Richtung Osten, wurde schon Stunden vor Beginn der Zeremonie ein spirituelles Feuer entzündet – eine Wissenschaft für sich.
Feuerhüter Carsten, der stolz darauf ist, bei einem Sonnentanzritual der Crow-Indianer den Status und damit die besonderen Rechte eines Kriegers erworben zu haben, schichtet in genau festgelegter Reihenfolge dicke Holzscheite und mehr als zwei Dutzend kinderkopfgroße Steine übereinander. Die heiligen Flammen liegen allein in seiner Obhut. Lautes Reden in ihrer unmittelbaren Nähe oder irgendetwas ins Feuer zu werfen „ist tabu“, stellt Carsten freundlich, aber bestimmt, klar.
Steine glühen wie Lava
Das Feuer brennt jetzt lichterloh, die Steine glühen wie heiße Lava. Es ist geheimnisvoll. Es ist mystisch. Es spricht nur einer: Der Schamane. Er ruft den Feuermann. Die acht Männer und vier Frauen sitzen im Kreis auf dem Boden der Hütte. Rechts vom Ausgang Ben Cloud, links Tobias, der dem Medizinmann die Utensilien reicht.
Die Friedenspfeife hat zu Beginn des Rituals die Runde gemacht, der würzige Geruch des Tabaks erfüllt das Zelt. Mit einer Heugabel holt Carsten nacheinander vier Steine aus der Glut und lädt sie in der Grube ab. Statt eines Ofens bringen sie die Hitze in die Hütte, deren Eingang jetzt mit Decken verhängt ist.
Die Zahl vier, offenbart der Medizinmann in englischer Sprache, hat mehrere Bedeutungen. Sie steht für die vier Himmelsrichtungen, die vier Elemente und die vier Hautfarben.
Mit den Göttern sprechen
Ben Cloud zerbröselt frischen Salbei über den glühenden Steinen und gießt anschließend vier Kellen Wasser darauf, die laut zischend verdampfen. Dann reicht Tobias ihm die Trommel, und der Schamane betet in seiner Muttersprache Apsaaloke zum Rhythmus der Schläge. Die erste von vier Runden der Zeremonie dient dem Aufwärmen der nackten Körper und dem Herbeirufen der Geister und Ahnen.
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