Reinigungsritual für Körper und Seele
… Dieses berechtigt ihn, Heilungszeremonien abzuhalten. Zuvor hatte der studierte Multimedia-Manager 20 Jahre lang außerhalb des Reservates für Tageszeitungen und Verlage gearbeitet. Neben den religiösen Aufgaben eines Sonnentanzhäuptlings – vergleichbar mit denen eines Priesters – hat der Schamane die Funktion eines Psychologen und Medizinmannes.
Ein wichtiger Teil der indianischen Zeremonien ist der Bereich der Heilung. Mütterlicherseits hat Ben Cloud Lakotaverwandte und väterlicherseits Verwandte des Cheyenne-Stammes. Das ebenso heilige wie heilende Schwitzhüttenritual, das von Stamm zu Stamm unterschiedlich vollzogen wird, zelebriert Ben Cloud nach dem Ritus der Crow.
Mehrmals im Jahr hält er Zeremonien in Europa ab, darunter in Deutschland und Österreich. Von den Weißen waren die Schamanen zunächst als Betrüger geächtet. Christliche Missionare verdammten ihre Riten, weil die Medizinmänner sich entschieden der christlichen Heilslehre widersetzen.
Ihr schlimmstes Vergehen aber war ihr Erfolg: Sie kurierten nicht nur Indianer – auch Weiße konnten dank indianischer Hilfe ihr Krankenlager verlassen. Über 200 indianische Medizinpflanzen übernahmen die weißen Siedler nach und nach in ihre Volksapotheke. Trotzdem untersagte Washington 1887 den Ureinwohnern Amerikas jegliche Ausübung religiöser und medizinischer Riten. Das Verdikt wurde 1934 aufgehoben.
Dass die indianische Medizin niemals dem wissenschaftlichen Geist des Westens folgte, ist für den französischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss „nur vorteilhaft“: Vieles von dem, was die Wissenschaft verkünde, sei „dermaßen phantastisch und widerspricht jedem gesunden Menschenverstand, dass man es nur in Mythen verständlich machen kann“. Wie die Indianer.








