Spezial: Schwimmbeckenabdichtung
Pool stellt praxisbewährte Methoden vor und zeigt, wo das Sparen an der falschen Stelle teuer wird.
Daß funktionierende Qualitätsabdichtungen mit positiven Langzeiterfahrungen ihren Preis haben, versteht sich von selbst.
Ebenso die Tatsache, daß einfache Beckenanstriche oder Durchdringungen ohne Klemmflanschverbindungen, auch wenn dieses bisweilen behauptet wird, weder fachgerecht noch auf Dauer druckwasserhaltige Dichtfunktionen haben, so daß letztlich Billigprodukte in der Regel teuer zu stehen kommen.
Darüber hinaus sollen Abdichtungen in Schwimm- und Badebecken bestimmte Hygieneforderungen erfüllen: So dürfen mit dem Beckenwasser in Berührung kommende Materialien, beispielsweise Beckenauskleidungen, Mörtelfugen oder Fugendichtstoffe die Badewasserbeschaffenheit nicht beeinträchtigen.
Ob man diese Forderungen auch im Privatbereich wünscht, muß jeder für sich selbst ausloten. Darüber hinaus werden beispielsweise in der Schwimmbad-Norm DIN 19643 für öffentliche Bäder für Werkstoffe, die mit dem Beckenwasser in Kontakt stehen, Unbedenklichkeiten gemäß KSW-Empfehlungen des Gesundheitsamtes sowie eine Zertifizierung nach DVGW-Arbeitsblatt W270 gefordert.
Ein weiteres, sehr entscheidendes Beurteilungskriterium ist auch die Kontakthaftung der Abdichtung mit dem Untergrund und darüber hinaus die des Belages mit der Abdichtung selbst. Gemäß DIN 18156 Absatz 5.2.2 Teil 2 muß beispielsweise bei hydraulisch härtenden Dünnbettverfliesungen das arithmetische Mittel der Haftzugfestigkeit mehr als 0,5 N/qmm betragen.
Ist dieses nicht der Fall, besteht die latente Gefahr, daß sich die Abdichtung oder die Verfliesung löst mit der Folge einer kostenintensiven Gesamtsanierung.
Bei Becken mit höheren Wassertemperaturen wie beispielsweise in Bewegungs-, Thermal- und Therapiebädern und bei stark aggressiven Heil- und Mineralwässern wie Meer- und Solewasser (siehe auch DIN 4030 „Beurteilung betonangreifender Wässer, Böden und Gase“) lassen sich wegen der zusätzlichen thermischen und chemischen Stahlbetonbelastung auch Beckenkonstruktionen mit zusätzlichen druckwasserhaltigen Abdichtungssystemen beispielsweise nach DIN 18195, Teil 7 „Bauwerksabdichtungen gegen von innen drückendes Wasser, Bemessung und Ausführung“ oder andere praxisbewährte Alternativsysteme mit Langzeiterfahrung verwenden.
Hierbei kann die äußere konstruktive Beckenschale entsprechend den örtlichen Gegebenheiten aus Stahlbeton DIN 1045 sein oder bei statischen Problemen auch aus Leichtbeton DIN 4219, Teil 1, wobei jedoch aus Gründen der Funktionssicherheit wasserundurchlässiger Stahlbeton anzustreben ist.
Um die innere druckwasserhaltige Beckenauskleidung während der Bauphase gegen eventuelle mechanische Beschädigungen zu schützen, gibt es folgende Möglichkeiten, die rechtzeitig mit dem Anbieter des Abdichtungssystems abzuklären sind:
- hohlraumfreie 1/2-Stein Vormauerung DIN 4031 mit resistentem Mörtel
- Betonierung gemäß DIN 1045 mit Zusatzstoffen und korrosionsbeständiger Bewehrung
- Zementmörtelschicht, zum Beispiel Torcretier- oder Spritzbeton
- Keramikauskleidung direkt auf der Verbundabdichtung im Dünnbettverfahren DIN 18157, Teil 1 mit entsprechender Haftgrundierung.
Die Ausführungsarten 3) und 4) sind besonders in Bereichen von lotrechten und schrägen Flächen nicht ganz unproblematisch und setzen daher spezielle Anwendungserfahrungen voraus. …